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Kurzinformationen für den Anbau der Durchwachsenen Silphie

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Den Empfehlungen der Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) Jena folgend und mit den EPH Erfahrungen an süddeutsche agroklimatische Verhältnisse angepasst.

1. Botanik

Die Durchwachsene Silphie, auch Kompass- oder Becherpflanze genannt, ist ein ausdauernder Korbblütler, der im Anpflanzjahr lediglich eine bodenständige Rosette bildet. Daraus treiben ab dem 2. Standjahr im April bis Mai bis zu 3,60 m hohe, vierkantige Stängel, die mit ungeteilten, lanzettlich gegenständigen, an der Basis verwachsenen Blättern besetzt sind. In Abhängigkeit von Standraum und Alter bildet jede Pflanze 3 bis 10 Stängel aus. Die Staudenpflanze kann eine Standzeit von 20 Jahren überdauern! Im Juli beginnt die Silphie zu blühen. Die leuchtend gelben, ca. 6 bis 8 cm breiten Blütenköpfchen stehen einzeln und endständig. Die Samenreife setzt im September ein. Sowohl Blüte als auch Reife erstrecken sich über einen relativ langen Zeitraum. Ökologische Vorteile sind in der ganzjährigen Bodenbedeckung und der damit verbundenen Verminderung der Erosionsgefahr sowie in der Bereicherung der Artenvielfalt zu sehen. Zudem wird die Pflanze von zahlreichen Insekten besucht und kommt auch als Bienenweidepflanze in Betracht. Die Pflanze bildet keine Ausläufer bzw. tiefreichende Rhizome, ihre Jungpflanzen entwickeln sich langsam und weisen eine geringe Konkurrenzfähigkeit auf.

 

2. Klimaansprüche

Die Durchwachsene Silphie stammt aus den gemäßigten Regionen Nordamerikas und wurde als Futterpflanze in Europa geprüft. Sie gedeiht unter hiesigen Bedingungen sehr gut und stellt keine besonderen Ansprüche an das Klima; auch in höheren Lagen (Maisgrenzstandorten) gedeiht sie sehr gut.

 

3. Bodenansprüche

Die Durchwachsene Silphie ist hinsichtlich des Bodens relativ anspruchslos. Am besten wächst sie jedoch auf humosen Standorten mit guter Wasserführung. Staunasse Lagen sind für den Anbau nicht geeignet.

 

4. Fruchtfolge

Die Silphie stellt keine besonderen Ansprüche an die Vorfrucht. Um einen guten Auflauf und einen unkrautfreien Bestand im 1. Anbaujahr zu ermöglichen, empfiehlt sich eine Winterfurche vor der Aussaat. Rapsdurchwuchs lässt sich in der Silphie aktuell nicht bekämpfen, deshalb sollte auf einen Anbau nach Raps verzichtet werden. Als Nachfrucht ist Getreide geeignet, um eventuellen Durchwuchs bekämpfen zu können.

 

5. Bodenbearbeitung

- Herbstfurche
- feuchtigkeitsbewahrende Saatbettbereitung 

- feinkrümeliges Saat- bzw. Pflanzbett

 

6. Aussaat

Um im 1. Anbaujahr einen Ertrag zu erzielen (die Silphie bildet lediglich eine bodenständige Rosette aus), wird Mais mit einer verminderten Aussaatstärke (45.000-50.000 Kö/ha) als Deckfrucht angebaut. Die Samen der Silphie benötigen zum Keimen eine Keimstimulation. Unbehandeltes Saatgut eignet sich nicht zum Säen (maximale Keimfähigkeit 15 %). Die Aussaat des vorbehandelten Saatgutes erfolgt mit einer pneumatischen Drillmaschine. Samenablage max. 0,0 - 0,5 cm.

- Aussaat:                           Mitte April bis Ende Mai unmittelbar nach der Maissaat

- Saatstärke:                     3,5 - 4,0 kg/ha

 

7. Pflanzenschutz

Das einzige für diese Kultur zugelassene Pflanzenschutzmittel ist aktuell Stomp Aqua. Einsatz mit 3,0 l/ha im Vorauflauf zwingend! Bei Problemverunkrautung besteht die Möglichkeit anderer Mittel zusätzlich im Nachauflauf, hier stehen wir Ihnen gerne beratend zur Seite.
Achtung! Seit dem 01.07.2001 gilt das neue Pflanzenschutzgesetz! Eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, die nicht für diese Kultur zugelassen sind, ist demzufolge verboten. Eine Sondergenehmigung über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln nach § 18b PflSchG kann beantragt werden.

 

8. Unkräuter

Die Silphie entwickelt sich im Jungpflanzenstadium relativ langsam, eine Unkrautbekämpfung ist zwingend erforderlich. Der Mais dient zur Unkrautunterdrückung. Bei rechtzeitiger Anlage schließt die Silphie ab dem 2. Standjahr die Bestände und entwickelt sich sehr üppig, Unkrautbekämpfungsmaßnahmen sind dann nicht mehr erforderlich.

 

9. Krankheiten und Schädlinge

Tierische Schädlinge traten bisher in Beständen der Durchwachsenen Silphie nicht in ertragsrelevantem Umfang auf.  Eine Schneckenbekämpfung sollte im Anlagejahr jedoch zwingend, in den Folgejahren im Frühjahr bei Bedarf durchgeführt werden. Bei größerem Anbauumfang kann es in ungünstigen Jahren und in Abhängigkeit von der Vorfrucht zum Auftreten von Sclerotinia kommen. Bei stärkerem Befall sollte schnellstmöglich geerntet werden, um die Bildung von Dauerkörpern einzuschränken. Erfahrungsgemäß regenerieren sich die Bestände im Folgejahr.

 

10. Düngung

Die Silphie benötigt zur Bildung 1 dt TM = ca. 1 kg N. Der N-Sollwert der Silphie zur Saat und zu Beginn jeden Vegetationsjahres beträgt demzufolge in Abhängigkeit von der Ertragserwartung 140 bis 200 kg N/ha. Die Phosphor-, Kalium-, Magnesium- und Kalziumdüngung sollte nach Entzug erfolgen. Bei einem Ertragsniveau von 150 dt TM/ha ist mit folgenden Entzügen zu rechnen:                
P = 25-30 kg/ha, K = 150-200 kg/ha,  Mg = 50-70 kg/ha, Ca = 200-250 kg/ha.

Der Stickstoff kann mineralisch verabreicht werden. Eine organische Düngung mit Gülle oder Gärresten verträgt die Silphie gut. Die Düngung sollte jedoch relativ früh erfolgen, um Beschädigungen an den Schosstrieben gering zu halten.

 

11. Ernte und Aufbereitung

Die Ernte der gesamten Pflanze erfolgt bei TS-Gehalt bis zu 30 % mit einem praxisüblichen Feldhäcksler, vorzugsweise mit Direktdisk mit Seitenschneidwerk und Niederhaltebügel ausgestattet. Das Erntegut lässt sich auch bei geringen TS-Gehalten hervorragend silieren und befahren. Die höchsten Methanerträge (ca. 300 l/kg TM) erzielt die Silphie zum Ende der Hauptblüte, Ende August/Anfang September.

 

12. Ertrag

Ca. 140 - 220 dt/ha ab dem 2. Anbaujahr, mindestens jedoch auf dem Niveau von Silomais am jeweiligen Standort.

 

13. Verwertung

Die Silage der Durchwachsenen Silphie ist als Viehfutter bzw. Koferment für Biogasanlagen geeignet.